Mehr als 10 Tage war Werner unterwegs, dann hatte er Paris erreicht; die Wette war gewonnen. Und so wurde durch die Fahrt mit dem Tretroller die historische Verbindung Paris-Oberkail- erneuert, wenngleich an dieser Erneuerung weder Könige noch Kaiser, weder Kanzler noch Präsidenten beteiligt waren. Es war halt eine „Grand Verschwisterung" zwischen einem lustigen Oberkader Burschen, einem Tretroller und der Weltstadt Paris, die dann später von der gesamten Dorfgemeinschaft begeistert aufgenommen und per Rundfunkwellen in den Äther hinaus verkündet und damit unvergesslich wurde. [Noch mehr Anekdoten]

Wer genau hinschaut, sieht das Schloss PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 21. November 2003 um 08:02 Uhr

Für Fremde ist die Lage des früheren Oberkailer Schlosses im Ortsbild kaum auszumachen. Doch wer in Oberkail nach der Burganlage fragt, wird auf die Häuser in der Burgstraße verwiesen, die man heute noch schlicht "die Burg" nennt. Bis vor rund 200 Jahren umfasste der Oberkailer Burgkomplex mit seinen Nebengebäuden fast die ganze Talmulde des Kailbachs zwischen Bitburger, Wittlicher und Hauptstraße. Schon im Mittelalter war die Burg zeitweise der Sitz der Manderscheider Herren beziehungsweise Grafen.

 

Mit Beginn der Regentschaft des Grafen Wilhelm I. wurde sie 1481 zur ständigen Residenz der eigenständigen Linie der Grafen von Manderscheid-Kail und blieb dies bis zum Tod der Gräfin Maria Anna im Jahr 1762. Aus dem Kailer Zweig der Manderscheider Grafenfamilie stammten bekannte Eifel-Dynasten wie Graf Dietrich II., der ein skrupelloser Hexenverfolger war, oder Graf Philipp Dietrich, der 1638 Gouverneur des Herzogtums Luxemburg wurde und die nahe Oberkail gelegenen Frohnertkapelle bauen ließ. Mit Gräfin Maria Anna verabschiedete sich das Haus Manderscheid-Kail auf noble Weise. Als Witwe half sie den Armen und Kranken und hinterließ zahlreiche Stiftungen. Nach ihrem Tod gelangte der Kailer Besitz an die Linien Manderscheid-Blankenheim und Sternberg-Manderscheid, bis der Einmarsch der Franzosen 1794 der Grafenherrschaft ein Ende machte. Der ältere Teil der ehemaligen Burg liegt direkt am Kailbach. Er war einst eine vierflügelige Anlage mit großem Innenhof.

Seit ungefähr 1700 schloss sich an den ursprünglichen Westflügel des Baues das so genannte "Neue Schloss" an, das sich mit zwei weiteren Flügeln um einen zweiten, nach Süden offenen Innenhof gruppierte. Die Franzosen ließen das Schloss im Jahr 1809 versteigern. Im Versteigerungsprotokoll heißt es, dass zum Schloss zahlreiche Ställe, Scheunen, "eine alte Mühle und eine alte Sägemühle" gehörten und dass es "teilweise von einem Graben umgeben" war. Zwei separate Gärten, die durch eine Steintreppe von einander getrennt waren, lagen an der Südseite des Schlosses. Außerdem gehörten der Burggarten und der neun Hektar große und von einer Hecke umgebene Bungert (Baumgarten) zum Schloss, auf dem zahlreiche Obstbäume standen.

Kurz nach der Versteigerung der Burg zwangen unglückliche Umstände den Käufer, Michel Feltes, den Besitz wieder größtenteils zu verkaufen. Von 1810 an nennen die Verkaufsakten immer wieder einzelne Gebäudeteile, die veräußert wurden. Auf diese Weise war das Schloss bald parzelliert. Ein Katasterbeamter berichtet am Ende der 1820er-Jahre, dass das Oberkailer Schloss keine geschlossene Anlage mehr bilde, sondern aus den "Burggebäuden (...) mehrere Häuser geworden" seien. Wer heute von der Hauptstraße kommend die Burgstraße hinabfährt, sieht auf der linken Seite noch einen Turmstumpf und Reste eines Torbogens.

Mehrere Häuser haben verzierte Fenster- und Türpfosten, die aus der alten Burganlage stammen. Im Innenhof des früheren "Neuen Schlosses", das durch eine Tordurchfahrt zu erreichen ist, sind die Reste des Arkadenganges mit seinen ursprünglich acht Bögen und mehrere durch Pfosten geteilte große Fenster zu sehen. Einer der heutigen Besitzer hat dort bei Umbauarbeiten die frühere Schlosskapelle freigelegt, die heute Teil eines Privathauses ist. In den Privathäusern, die aus der früheren Schlossanlage entstanden sind, sind keine Besichtigungen möglich. Ein Spaziergang die Burgstraße hinunter über die zwei früheren Burghöfe kann bei genauem Hinsehen zu einer kleinen Entdeckungsreise werden.

aus: Trierischer Volksfreund, 3.11.2003 von: CLAUS RECH

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 26. Dezember 2009 um 09:10 Uhr
 
 
Spenden und helfen