Wohnt er noch in Berlin, der Wilhelm Schulze? Drauf die Cousine: „Woher soll ich das wissen. Ich kenne den Mann nicht!" Leo war überrascht und verwundert zugleich, dass die Cousine den Wilhelm Schulze aus ihrem Wohnort Berlin nicht kannte und gab ihr vorwurfsvoll zu bedenken: „Den musst du kennen, den Wilhelm Schulze. Denn er wohnt mitten in Berlin! Genauso wie Du. Das kann doch nicht sein, dass du den Wilhelm nicht kennst, wo er doch mittendrin in deiner Heimatstadt wohnt!" [Noch mehr Anekdoten]

Geschichte von Oberkail PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Manfred Wientgen   
Freitag, den 06. Oktober 2006 um 20:28 Uhr

Oberkail zeigt bereits für die Mittel- und Jungsteinzeit, also seit 10.000 Jahren, Spuren menschlicher Besiedlung. Außerordentlich umfangreiche Funde deuten darauf hin, dass im sogenannten "Rodecken" vor Jahrtausenden steinzeitliche Geräte hergestellt wurden. Die talgeschützte Lage nahe am Bach und unweit zahlreicher Quellen wurde auch von den Römern als Siedlungsort angenommen.

Die Geschichte des Ortes hängt aufs engste mit der Herrschaft und späteren Grafschaft Kail zusammen, die sich spätestens seit der ersten Erwähnung des Ortes im Jahre 1201 (»Keule«) bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts im Besitz der Herren bzw. Grafen von Manderscheid befand. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde der Manderscheider Hof in Kail als Zentrum einer Grundherrschaft offenbar von Vögten verwaltet, da zu dieser Zeit mehrfach ein Rittergeschlecht von Keyle in den Urkunden erscheint. Nachdem der Hof um 1340 zu einer Burg ausgebaut worden war, wählte sich Diedrich I. von Manderscheid, der von 1386 bis 1426 regierte, Kail zur Residenz. Eine besondere geschichtliche Bedeutung kommt Diedrich insofern zu, als er den zu Hause entlaufenen Nikolaus von Kues als Kammerdiener aufnahm und ihm später eine ausgezeichnete wissenschaftliche Ausbildung ermöglichte. 1482 erfolgte eine Teilung des 1460 in den Grafenstand erhobenen Hauses Manderscheid in drei Linien, von denen sich eine nach ihrer Residenz Manderscheid-Kail nannte.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts umfaßte die Grafschaft Manderscheid-Kaü die Herrschaften Kail, Daun, Bettingen, Falkenstein und Dollendorf sowie d ie halbe Herrschaft Neuerburg, die Herrschaft Kail bildeten die Orte Kail mit Carlshütte, Schwarzenborn und Überscheid bei Eisenschmitt, die Höfe Eulendorf und Biermühle sowie einzelne Häuser und Höfe in Gindorf und Gondorf. 1552 stellte Graf Jakob die Herrschaft Kail unter luxemburgische Lehenshoheit nachdem sie mehrere Jahrhunderte lang - wenngleich nicht immer unumstritten - vom Trierer Erzbischof lehensabhängig gewesen war.

Die Zugehörigkeit zu Luxemburg und der Einfluß Graf Philipp Diedrichs verschonten Kail im Dreißigjährigen Krieg vor Plünderung und Zerstörung; erst nach Kriegsende brannten die Franzosen 1648 den Ort nieder (11 von 23 Häusern). Rund fünfzig Jahre später führten die gestiegenen Ansprüche an eine barocke Residenz zu einer schloßartigen Erweiterung der bereits im frühen 17. Jahrhundert weitgehend neugebauten Burg, Bauherr war Graf Karl Franz Ludwig, der von 1686 bis 1721 regierte und als General in französischen Diensten stand.

Mit dem Aussterben der Linie Manderscheid-Kail im Jahre 1762 gelangte die Grafschaft aufgrund eines Erbvertrages an die Grafen von Blankenheim. Beim Heranrücken der Franzosen 1794 floh Graf Christian Philipp von Sternberg, der mit Augusta von Blankenheim verheiratet war nach Böhmen, worauf der gesamte Manderscheid-Blankenheimer Besitz durch die französische Regierung konfisziert wurde. Gleichzeitig erfolgte die Abänderung des Ortsnamens in »Oberkail«. Mit der Burg als Zentrum legt sich der historische Ortskern quer zum Tal des Kailbaches, der etwa vier Kilometer nordwestlich im Bereich der Burg Seinsfeld entspringt und unterhalb von Niederkail im Kreis Bernkastel-Wittlich in die Salm mündet.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 26. Dezember 2009 um 09:11 Uhr
 
 
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